Obskure Exil-Ungarn in den USA

Wenn man eine Platte des Labels Hungaria Univerzális in den Händen hält, dann fühlt sich alles, angefangen von der Covergestaltung über den Namen des Labels und die Beschriftung bis hin zur Seriennummer so an, als ob man es mit einem Nebenlabel der stattlichen Labels Pepita bzw. Hungaroton zu tun hätte.

Im Kleingedruckten erfährt man dann jedoch, dass es sich bei Hungaria Univerzális um ein Label der Firma Independent Phonograph Record Collection handelt, die nun so gar nicht im damals sozialistischen Ungarn, sondern am kapitalistischen Broadway in New York saß.

Hungaria Univerzális SX-839: Rhythm & Blues (Compilation)

Viel lässt sich über das Unternehmen heute nicht mehr in Erfahrung bringen. Neben Hungaria Univerzális betrieb die Firma noch weitere Labels wie Bartone, Csillag, Duna und Sun-Shine, die allesamt nur ungarische Musik vertrieben. Heute lassen sich für diese Labels kaum noch mehr als eine Handvoll veröffentlichungen nachweisen.

Discogs nennt als Betreiber des Labels den ungarischen Musiker und Humoristen Mihaly Sarossy, der es mit der korrekten Lizenzierung der von ihm verlegten Titel wohl nicht ganz genau genommen hätte. Wenn man auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs und überhaupt auf der anderen Seite der Welt saß, waren wohl keine rechtlichen Konsequenzen zu erwarten.

Vielleicht sahen die Exil-Ungarn in New York ihre Verlegertätigkeit sogar als Dienst an ihren in der Welt verstreuten Landsleuten, denen sie zumindest im amerikanischen Markt die ungarische Kultur nahebrachten.

Die Gestaltung der Covers des Labels mutet für heutige Verhältnisse kurios an. Ihr Äußeres und die obskuren Hintergründe der Veröffentlichungen machen die Platten heute – auch völlig ungeachtet ihrer musikalischen Qualitäten – durchaus sammelnswert.